Was ich durch ein internationales Praktikum in einem Start-up-Unternehmen gelernt habe

Carly Kroll, 28.09.2018

Start-up-Unternehmen sind angesagt: Sie sind jung, hip, unkonventionell und haben unbegrenztes Potential. Ich hätte bei jedem beliebigen neuen Technologie-Start-up in Kalifornien ein Praktikum machen können. Dort hätte es sich auch wie in einer ganz anderen Welt mit einer total anderen Kultur angefühlt. Nur hätte ich mir das Kopfzerbrechen über ein Visum, eine deutsche Sozialversicherung, den Nachweis meiner Finanzen, den Abschluss einer Auslandsreise-Krankenversicherung und viele andere Sachen sparen können, wäre ich nach Kalifornien gegangen.

Aber nein. Ich dachte, jetzt ist es Zeit zu reisen, meine Komfortzone zu verlassen und einen Schritt weiter zu gehen. Deswegen schaute ich mir internationale Augmented-Reality-Start-ups an, die schnell wuchsen und ihre Expansion in den USA starteten. Und ich fand Ubimax.

Ein neues Abenteuer wagen

Es mag etwas seltsam erscheinen, mit 27 Jahren als Praktikantin bei null anzufangen, aber ich sah es als Chance, mir selbst etwas zu beweisen und einen Fuß in die Tür zu meinem neuen Karriereweg zu setzen. Mein Mann und ich waren uns einig, dass diese Erfahrung uns wachsen lassen würde, nicht nur beruflich, sondern auch persönlich, da ich drei Monate lang von ihm und unseren Hunden getrennt sein würde.

Nach drei Skype-Interviews, einer Reihe von E-Mails und dem ungeduldigen Warten auf die Visa-Genehmigung machte ich mich also auf den Weg von Milwaukee, Wisconsin nach Bremen im Norden Deutschlands. Ich zog in ein Land, in dem ich niemanden kannte, die Sprache nicht sprach und mit Mitbewohnern leben sollte, die ich noch nie getroffen hatte. Ich fand ein Souterrainzimmer in einem Haus mit vier anderen Master-Studenten und bereits arbeitenden Leuten. Am ersten Sonntag kaufte ich mir ein Fahrrad auf dem örtlichen Flohmarkt. Montag machte ich mich das erste Mal auf den Weg zur Arbeit.

Fliegen lernen

Bei Start-up-Unternehmen wird viel Arbeit unter den wenigen Mitarbeitern aufgeteilt. Dadurch bekommen auch Praktikanten ausreichend Gelegenheit, an größeren Projekten zu arbeiten und an wichtigen Unternehmensentscheidungen teilzunehmen. Als Praktikantin wurde ich mit der Erstellung von Marketingkampagnen, dem Schreiben von Whitepapers und der Unterstützung bei Grafiken und Artikeln beauftragt. Während meine Gleichgesinnten zu Hause Praktika absolvierten, bei denen sie den ganzen Tag kopieren und Dateien organisieren mussten, baute ich mir ein vielseitiges Portfolio auf.

Als internationale Mitarbeiterin konnte ich auch beratend tätig werden, indem ich Einblicke in das Kaufverhalten von Amerikanern gewährte. Außerdem konnte ich mich als Redakteurin und helfende Hand einbringen. Ich brachte einfach besondere Qualitäten mit, die in den USA nicht einzigartig gewesen wären. Umgekehrt habe ich jetzt deutsche Denkweisen und Geschäftsstrategien erlebt, die ich beispielsweise zukünftig in einem US-Unternehmen anbringen kann.

Ich schaffe das

Ich habe bereits vorher im Ausland gelebt, als ich mit 19 Jahren für ein Semester in London studierte. Acht Jahre später manövriere ich wieder durch kulturelle Normen und öffentliche Verkehrsmittel und schaffe neue soziale Kreise. Es galt, die Angst vor Neuem an allen Fronten zu bewältigen.

Was habe ich daraus gelernt? Dass ich es schaffe! Ich kann mit beruflichen und privaten Veränderungen gleichzeitig fertig werden. Ich kann neue Arbeitsschritte erlernen und meine Rolle nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen, während ich mich auch außerhalb der Arbeit zu einer unabhängigen Person entwickle. Ich lernte, dass ich an Herausforderungen wachse und ihnen gerecht werden kann. Dieses Gefühl von Leistung und Erfolg wird mir helfen, neuen, sich bietenden Möglichkeiten selbstbewusst gegenüberzutreten und sie mit offenen Armen anzunehmen.

Außerdem habe ich gelernt, eine Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden. In Deutschland macht man Eis-Pausen auf der Arbeit, isst zusammen zum Mittag und hat „Feierabend“ (also man hat wirklich „frei“ am Abend). Beim Leben in Amerika heißt es oft „los-los-los“. Deswegen habe ich nie gelernt, wirklich zu entspannen, aber Deutschland hat es mir beigebracht. Vielleicht sind sie darum so produktiv. Sie geben einfach ihr Bestes bei der Arbeit und machen Pause, wenn sie nach Hause gehen und die Arbeit für den Tag hinter sich lassen.

Du kannst das auch schaffen

Wenn Du die Möglichkeit hast, den Mut und die Chuzpe, etwas Neues zu tun, schlage ich Dir vor, ein Praktikum bei einem jungen Unternehmen im Ausland zu machen und damit deine Komfortzone zu verlassen. Es wird nicht einfach sein, Du wirst unterwegs viele Pannen erleben (bei mir waren es buchstäbliche Pannen, denn das Flohmarktrad war eine schlechte Idee), aber Du wirst daran wachsen. Drei platte Reifen hat es mich gekostet, aber jetzt wechsle ich Fahrradreifen wie ein Profi. Und nicht nur das, ich kann auch von mir sagen, dass ich im internationalen Marketing gearbeitet habe, Kampagnen erstellt habe und ein Teil von etwas Größerem als mir selbst war. Als Krönung wurde mir eine Vollzeitstelle als PR- und Marketing-Managerin für Amerika angeboten! Es scheint, Risiken einzugehen zahlt sich aus.

Worauf wartest Du noch?