Von Forschungstreibern und Industrie 4.0 - Ein Interview mit Dr. Falko Schmid, Director Research & Innovation

Janosch Nauland, 15.12.2017

Alle Zeichen stehen auf „smart“. Die vierte industrielle Revolution ist mitten im Gange und Ubimax mischt vorne mit. Als ständiger Antrieb für Innovationen ist nicht zuletzt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ein niemals pausierender Motivator.

Ich hatte Gelegenheit mich ausführlich mit Falko über Forschung bei Ubimax, grenzenlose Horizonte und persönliche Highlights zu unterhalten.

Janosch: Als einleitende Frage vielleicht ganz generell – welchen Stellenwert hat das Thema Forschung für Ubimax?

Falko: Forschung ist gewissermaßen der Ausgangspunkt von Ubimax. Viele unserer Kernmitarbeiter – angefangen bei Mitgründer Hendrik Witt – forschen schon seit mehreren Jahren selbst im Bereich des Wearable Computings und der Augmented Reality (AR). Diese Expertise fließt daher seit Unternehmensgründung direkt in unsere Produkte ein und kontinuierliche Forschung ist ein essenzieller Baustein für Ubimax. Bei den Produkten, die wir entwickeln und den Dienstleistungen, die wir anbieten, stoßen wir aufgrund ihres Innovationsgrades immer irgendwann an die Grenzen dessen, was aktuell möglich ist. Forschungsprojekte erlauben es uns, über diese Grenzen hinauszudenken und frühzeitig Ideen zu testen. Dadurch werden unsere Produkte auch mit Blick auf zukünftige Bedürfnisse kontinuierlich weiterentwickelt.

Wie lange dauert es denn, bis Cutting Edge Ideen dieser Art ihren Weg ins Ubimax Portfolio finden?

Unsere Forschungsergebnisse werden immer erst dann als Teil von Ubimax Frontline angeboten, wenn sie vollständig marktreif und so robust sind, dass sie die Qualitätsanforderungen für ein skalierbares Produkt erfüllen. Daher entwickeln wir oft jahrelang auf Forschungsebene an einem neuen Feature, bevor es ausgereift ist – zum Glück geht es oftmals aber auch schneller.

Lassen sich Andere von Ubimax’ Forschungs- und Entwicklungsarbeit inspirieren?

Wir sind mit dem, was wir unseren Kunden anbieten, Weltmarktführer. In dieser Position ist man immer auch Ideengeber. Die Produkte, die wir entwickeln, gibt es in dieser Art und Integrationstiefe anderswo noch nicht. Das dient natürlich auch als Inspiration für die Konkurrenz. Es ist ein Wechselspiel der gegenseitigen Inspiration, das viel Spaß macht und dazu anspornt, sich gegenüber Wettbewerbern hervorzuheben.

Im Hinblick auf die Entwicklung industrieller Arbeitsprozesse sind die Themen Wearables und AR ein bestimmender Trend. Inwiefern leistet Ubimax einen Beitrag dazu?

Die Arbeitswelt befindet sich momentan mitten in einem fundamentalen Wandel. Große Schlagworte wie Digitalisierung oder Industrie 4.0 werden häufig mit industrieller Vollautomatisierung in Verbindung gebracht. Doch in den meisten Branchen wird ein Großteil der Arbeitsprozesse nach wie vor durch manuelle Arbeit geleistet. Ubimax setzt genau an dieser Stelle an: Mit unseren Smart Glass Lösungen können sich Arbeiter mit beiden Händen auf die wesentlichen, wertschöpfenden Arbeitsschritte konzentrieren, ohne Zeit und Aufmerksamkeit für Sekundärprozesse aufwenden zu müssen. Wir sehen Wearables und AR auch als Schlüssel zur natürlichen und sicheren Zusammenarbeit mit kooperativen Robotern – in vielen Bereichen werden das unsere zukünftigen Kollegen sein. So tragen unsere Lösungen heute und in Zukunft dazu bei, manuelle Arbeit mit der fortschreitenden Digitalisierung in Einklang zu bringen.

Durch unsere Produktentwicklung und unsere industrielle Forschung tragen wir zur Definition des Status quo bei.

Und dementsprechend in Einklang mit vielen Herausforderungen, die mit der vierten industriellen Revolution verbunden sind. Welche Vorteile bieten Wearables noch?

Wearables ermöglichen vor allem freihändiges, schnelleres und prozesssicheres Arbeiten. Doch durch die Fokussierung auf wesentliche Informationen kann man auch einen effizienten Wissenstransfer ermöglichen. Außerdem können durch die ergonomischen Vorteile körperliche Belastungen reduziert werden. Letzteres ist auch mit Blick auf den demografischen Wandel interessant: Wearables können ein Schlüssel zur gesundheitlichen Prävention sein.

Ubimax leistet also einen Beitrag zur allgemeinen Technologieentwicklung. Richtig?

Ja, das kann man so sagen. Durch unsere Produktentwicklung und unsere industrielle Forschung tragen wir zur Definition des Status quo bei. Wir verknüpfen aktuelle Anforderungen mit innovativen Ideen - daraus ergeben sich häufig neue Forschungsfragen, für die wir in Forschungsprojekten Lösungen entwickeln und diese in Form von Produkten realisieren.

Klappt die Umsetzung in die Realität immer?

Nein, das nicht. Aber auch, wenn ein Ansatz nicht unmittelbar umsetzbar ist, tun sich häufig im Zug der Realisierung andere Optionen auf. Es entstehen immer neue Potenziale, die es uns ermöglichen, uns kontinuierlich als Innovationstreiber zu positionieren.

In Sachen Forschung und Entwicklung ist Ubimax gedanklich also immer schon einen Schritt voraus. Sind die Innovationsmöglichkeiten irgendwann ausgeschöpft?

Nicht im Ansatz. Wir befinden uns genaugenommen in der ersten von vielen Phasen hinsichtlich der industriellen Implementierung von Wearable Computing und AR. Bislang wurden mit der Technologie überwiegend Forschungsprototypen oder Piloten umgesetzt. Mittlerweile werden damit produktive Lösungen in kritischen Prozessen umgesetzt. Sowohl bei unseren Kunden als auch bei unseren Marktbegleitern sehen wir, dass AR und Wearables angekommen sind.

Angekommen im Sinne von bereit zum Durchstarten?

Absolut! Wir stehen technologisch an der Stelle wie die Smartphones vor circa zehn Jahren: Das nutzbare Grundkonzept und die Hardware waren vorhanden – eine für alle Nutzer greifbare Infrastruktur gab es aber noch nicht. Genauso sieht es heute im Bereich der Wearables aus. Es gibt tolle und funktionierende Komponenten und heterogene Infrastrukturen, von einer Art Standard oder homogenen Geräteplattformen kann man aber noch nicht sprechen. Ubimax Frontline ist ein großer Beitrag dazu!

Gute Ideen entstehen in den seltensten Fällen beim Grübeln im stillen Kämmerlein.

Hast Du ein ganz persönliches Highlight in Bezug auf das, was Du tust und was um Dich herum passiert?

Mich begeistert vor allem, dass bei Ubimax der Mensch immer im Fokus steht. Wir fragen uns, wie können wir Technologie so gestalten, dass sie in den Hintergrund rückt und gleichzeitig für den Menschen da ist. Wie können wir die Technologie so gestalten, dass sie dem Menschen zuarbeitet und nicht anders herum? Wie kann Technologie Menschen verbinden? Wearables und AR bieten hier unglaublich viel Potenzial und tolle Lösungsmöglichkeiten. Deshalb finde ich die Forschung bei Ubimax extrem spannend.

Abschließend hätte ich gerne Dein persönliches Kochrezept für eine gute Idee!

Kommunikation! Gute Ideen entstehen in den seltensten Fällen beim Grübeln im stillen Kämmerlein. Einerseits hilft der regelmäßige Austausch mit unseren Kunden und Partnern über mögliche Anwendungsfälle. Andererseits ist der kreative Austausch im Team ebenso wichtig. Und unser Team zeichnet sich aus durch Kreativität, weitreichende Expertise in unterschiedlichsten Bereichen und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen aus. Genau diesen Entwicklergeist braucht ein Forschungs- und Entwicklungsteam. Die Ideen kommen dann wie von selbst.