Mit Datenbrillen das Gesundheitssystem stärken

Jan Junker, 11.04.2020

Das Coronavirus hält zurzeit die Welt fest im Griff. Ausgangssperren, Kontaktverbote und soziale Distanz bestimmen unseren privaten Alltag und sorgen dafür, dass sich das Virus nicht unkontrolliert ausbreitet. Auch die Industrie ist hart getroffen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der mehrwöchige Lock Down für viele Unternehmen existenzbedrohend. Der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung der Pandemie: die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Deshalb ist es dringend notwendig, die Gesundheitssysteme so gut wie möglich auf diese Ausnahmesituation vorzubereiten.

Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsrate

Das Coronavirus ist eine Neuheit und in der medizinischen Wissenschaft noch recht unbekannt. Das größte Problem ist die exponentielle Geschwindigkeit, mit der sich das Virus ausgebreitet hat. Hinzu kommt, dass das Virus bei etwa 20% der Infizierten einen schweren Verlauf nimmt, so dass eine intensive medizinische Betreuung erforderlich wird . Bei einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus werden die Gesundheitssysteme sehr schnell überlastet. Wenn das Gesundheitssystem seine Grenzen überschreitet (wie z.B. in Italien), steigt auch die Sterblichkeitsrate und die Ärzte stehen vor Entscheidungen, die einer Person nicht auferlegt werden können. Dieser Zustand muss daher um jeden Preis verhindert werden.

Da noch kein Impfstoff zur Verfügung steht, sind laut OECD Eindämmungsmaßnahmen die wichtigsten derzeit verfügbaren Interventionen. Oberste Priorität ist es, die Belastung der Gesundheitssysteme zu verringern. Es besteht die Hoffnung, dass das Gesundheitssystem bis an die Grenze, aber nicht darüber hinaus belastet wird. Doch je flacher die Kurve verläuft, desto länger werden die Beschränkungen wirksam sein und desto länger wird es dauern, die notwendige Immunität zu erreichen (Grafische Darstellung des Verlaufs der Infektionen mit und ohne Maßnahmen in Abbildung 1).

Wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie

Aus wirtschaftlicher Sicht muss der Zeitrahmen für die getroffenen Interventionen so kurz wie möglich gehalten werden. Gegenwärtig gibt es nur vorsichtige Prognosen, die jedoch für Unternehmen auf der ganzen Welt meist ein düsteres Bild zeichnen. Es muss davon ausgegangen werden, dass viele Unternehmen in Konkurs gehen und mehr Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Dass wir eine Rezession erleben werden, ist ziemlich sicher, aber wie können wir den volkswirtschaftlichen Schaden begrenzen?

Indem die Kapazitäten des Gesundheitssystems erhöht werden, wir die Möglichkeit geschaffen, um ein Vielfaches schneller eine Herdenimmunität zu erreichen und gleichzeitig das Risiko einer Überlastung des Systems und aller beteiligten Personen zu verringern. Dies entlastet die Wirtschaft und könnte eine schnellere Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Abbildung 2 soll dieses ideale Szenario veranschaulichen (beachten Sie, dass es sich hierbei um einen hypothetischen Ansatz handelt).

Die Engpassfaktoren

Nun ist eine Steigerung der Kapazität des Gesundheitssystems offensichtlich nicht die leichteste Übung. Es gibt drei entscheidende Engpassfaktoren für die Erhöhung der Kapazität des Gesundheitssystems während der Coronavirus-Krise:

  1. Verfügbarkeit von funktionierenden Beatmungsgeräten für Intensivnotfälle
  2. Bettenkapazität der Intensivstationen
  3. Anzahl der verfügbaren Pflegekräfte und Ärzt*innen, welche über die benötigte Expertise verfügen

In Bezug auf Beatmungsgeräte wurde die Produktion bereits hochgefahren. Wichtig in diesem Kontext ist, dass die Produktion verlässlich weiterläuft und es nicht zu ungeplanten Ausfällen kommt. Außerdem müssen die Beatmungsgeräte ebenso wie alle weiteren medizinischen Geräte auch im Einsatz gründlich gewartet und Instand gehalten werden, auch wenn die Hersteller durch die Reisebeschränkungen dies nicht mehr wie gewohnt vor Ort machen können.

Hinsichtlich der Bettenkapazität auf Intensivstationen (mit allen dafür notwendigen medizinischen Geräten) gibt es bereits Anstrengungen, diese zu erhöhen – in vielen Ländern werden temporäre Intensivstationen sogar in Stadien oder anderen freistehenden Gebäuden aufgebaut. Auch dieser Engpassfaktoren ist sehr kritisch, scheint aber mit entsprechender Vorbereitung lösbar. Deutschland strebt hier aktuell eine Verdoppelung der Kapazitäten an.

Das beste Equipment und die höchste Bettenkapazität hilft jedoch nichts, wenn nicht genügend Personal mit entsprechender Expertise verfügbar ist. Es muss also dringend daran gearbeitet werden, die menschlichen Arbeitskräfte innerhalb des Gesundheitssystems besser aufzustellen und ihnen Hilfsmittel an die Hand zu geben, die ihre Kapazitäten erhöhen.

Remote Support mit Datenbrillen als Schlüssel?

Während Unternehmen wie beispielsweise Coca-Cola HBC, Krones oder SIG bereits auf Remote-Support-Lösungen setzen, um die Nahrungsmittelproduktion auch in Zeiten erhöhter Nachfrage durch die Krise weiterhin gewährleisten zu können, zeigt sich der Einsatz solcher innovativen Lösungen im Gesundheitssektor bisher nur sehr selten.
Dabei würden Telemedizinlösungen das vorhandene Personal in Krankenhäusern von zu Hause beziehungsweise aus der Ferne unterstützen. Ärzt*innen in Quarantäne, im Ruhestand oder aus anderen Ländern können mit ihrer Expertise beratend zur Seite stehen – ganz so, als wären sie selbst dort. Durch den Einsatz von Datenbrillen bleiben weiterhin beide Hände der behandelnden Person (ob Ärztin oder Krankenpfleger) frei, um Patient*innen zu betreuen, während die Expert*innen aus der Ferne entsprechende Anweisungen geben können. Das hilft vor allem zur Beschleunigung der Diagnostik und auch weniger qualifiziertes Personal kann im Ernstfall am richtigen Ort einen Mehrwert liefern. Der hinzugeschaltete Remote Experte sieht nicht nur durch die Kamera genau und live, was der Kollege vor Ort genau macht, sondern er kann auch sehr gezielt Hinweise und Unterstützung geben. Bei solchen Remote-Support-Anrufen ist nämlich nicht nur der sprachliche Austausch möglich, sondern zusätzlich können mit visuellen Instruktionen bestimmte Untersuchungsabläufe genauer verbildlicht werden.

In industriellen Umgebungen werden solche Fernunterstützungslösungen, ob von Ubimax oder einem unserer Marktbegleiter, bereits sehr erfolgreich und in großem Umfang eingesetzt. Besonders die Lebensmittelbranche reagiert damit gerade flexibel auf die krisenbedingt erhöhte Nachfrage. So hat beispielsweise Krones gerade die Anzahl an Smart Glasses in Kombination mit unseren Ubimax-Lösungen annährend verdoppelt. Hauseigene Experten warten damit Getränkeabfüllmaschinen aus der Ferne, um auch in Zeiten des Coronavirus keine Stillstände zu riskieren. Auch für Hersteller medizinischer Produkte bieten solche Lösungen die Möglichkeit, ihr Equipment, das für den Kampf gegen Corona verwendet wird, aus der Ferne zu warten und Instand zu halten. Auch auf Produzentenseite ist es wichtig, eine krisensichere Herstellung von beispielsweise Beatmungsgeräten und weiteren medizinisch notwendigen Gegenständen zu gewährleisten, etwa durch den Einsatz von Remote Support. Becton Dickinson, weltweit tätiges Medizintechnikunternehmen, setzt die Ubimax Remote-Support-Lösung bereits ein, um den äußerst aufwendigen Fertigungs- und Wartungsvorgang seiner Produkte zu optimieren. Expertenrat in Echtzeit erspart lästige Wartezeiten und setzt Ressourcen frei, die vorher unnötigerweise verbraucht wurden.

Hilfe an vorderster Front

Auch wenn die Telemedizin nicht alle Probleme innerhalb des Gesundheitswesens löst, so wird sie doch mit Sicherheit das Gesundheitspersonal an vorderster Front unterstützen. Durch Zeitersparnis, Anleitung und Wartung der Ausrüstung sind unsere Lösungen in dieser schwierigen Zeit für das Gesundheitssystem da.

Die Einführung einer solchen Lösung erfordert keine lange Anlaufzeit. Die Remote-Support-Lösungen von Ubimax sind innerhalb weniger Stunden einsatzbereit und intuitiv zu bedienen. Zeitaufwändige Schulungen sind oft überflüssig, und sie können auch auf vorhandenen Geräten eingesetzt werden. Und das ist es, was wir jetzt brauchen: Lösungen wie diese, die ohne Umwege im Kampf gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden können.